Der Google Reader liegt im Sterben

Google Currents

Der Google Reader ist ein tolles Werkzeug. Mehr nicht. So richtig nutzenspendend war er zum Schluss nicht mehr. Man hätte sich über die konsequente Vernachlässigung durch Google wundern können. Haben die meisten nicht. Jetzt stellt Google die lebenserhaltenen Maßnahmen ein. Ich empfehle als Alternative Google Currents. Dieses Blog ist schon da.

Klar Currents ist nicht dasselbe wie der Reader. Ich teile einfach mal einige Gedanken, die mich im Rahmen meiner eigenen Überlegungen beschäftigt haben. Nach einem kurzen Innehalten habe ich darüber nachgedacht, ob ich mich wirklich ärgere, dass Google ein Produkt wieder einfach abschaltet. Schließlich bin ich zahlender Kunde. Ich glaube nein. Alles wird Social. Auch der Weg, den Informationen nehmen, um uns zu finden.

Die Debatte wird langweilig

Wenn ich ganz ehrlich mit mir selbst bin. RSS ist “nice to have”. Das Protokoll liefert mir allerdings viel zu viel Input, den ich gar nicht lesen könnte. Zum Glück leide ich nicht unter dem Wahn, das tun zu müssen (Flow Control). Die wichtigsten Quellen, erreichen mich mittlerweile über die sozialen Netzwerke, auch wenn manche kritisieren, Nachrichten kursierten dann nicht mehr über einen offenen Standard, sondern über ein geschlossenes System.

Ich will keine Debatte über Informationsfreiheit führen, sondern Informationen dort konsumieren, wo ich mit anderen zusammen bin. Was ich in meinem Kopf kompostiere, um etwas nährstoffreiches, eigenes daraus zu entwickeln, nimmt mir weder Facebook noch sonst ein soziales Netzwerk weg.

Abschied ist ein scharfes Schwert

Der Google Reader war für mich handhabbar, weil er in der Wolke liegt, also nicht auf einem Rechner installiert werden musste. Es gibt (noch) Applikationen für alle mobilen Plattformen, je nach Geschmack von Google selbst oder von Fremdanbietern. Alle diese kleinen Programme habe ich nach einer ersten Installation dann doch meistens nur mal beim Zugfahren geöffnet. Praktisch war der Google Reader, weil ich die Nachrichten wie in einer große Badewanne einlaufen lassen konnte und mithilfe der Suchtechnologie von Google (… beherrsche ich) selbst adäquat recherchieren konnte. Hat eine meiner Quellen etwas zu diesem oder jenem Thema beizusteuern?

Es geht als nicht um die Frage, ob ich den Google Reader als Produkt vermisse, sondern wo ich eine neue Badewanne herbekomme. Google erlaubt mir, meine Daten zu exportieren. Eigentlich muss ich mit dem Inhalt, verpackt in Eimern nur einen neuen Ort finden.

Wohin mit meiner Informationswassersäule?

Jetzt meldet sich Digg zu Wort, die einen auf das Nutzerverhalten von 2013 angepassten Feed Reader bauen wollen, der dem Google Reader ähnlich sein soll. Die Integration von Sozialen Netzwerken soll berücksichtigt werden. Und das ist eigentlich die Kernfunktion, die ich gern hätte. Was ich konsumiere, würde ich gern teilen, wenn ich es im Kontext meines Seins im Netz für angebracht halte. Google hat es uns hier nicht einfacher gemacht und setzte offenbar schon länger auf Google+ als neues Informationsdrehkreuz.

Warum ist doch egal

Wie immer begründet Google in seiner Meldung nicht konkret, warum es den Reader einstellt. Auch unter “Learn More” ist nichts fu finden und ich habe keinen Bock, einsame Entscheidungen von Internetkonzernen nachzuvollziehen, weil es den Reader nicht zurückbringt. Wenn VW ein Modell einstellt oder Porsche keine Kleinwagen baut, schaue ich mich am Markt um, was es sonst gibt. Wer protestieren will?! Es gibt eine Online-Petition auf change.org, die von Google fordert, seine Entscheidung zurückzunehmen. Die, das sind für mich vor allem konservative Nutzer, die Liebgewonnenes bewahren möchten. Für mich ist die Einlstellung ein Grund, kreativ über meinen Informationskonsum nachzudenken.

Meldung Google Reader wird eingestellt

Droge Information

Auf ZEIT Online sagt der Kai Biermann, den Google Reader nutzen nur News Junkies. Dem widerspreche ich mal, weil ich im Rahmen meines mir oben selbst attestierten Nutzerverhaltens eigentlich immer eine 1000+ neben “Allen Artikeln” im Google Reader sehe. Mittlerweile auch neben dem Etikett Blog, das alle Blogs, die gern lesen würde, beheimetet. Ich konsumiere also meinen Stoff nicht, brauche ihn nicht auf, sondern greife mir, quasi als Dealer, das richtige Tütchen im rechten Augenblick, um es unter die Leute zu bringen.

Damit bin ich Teil eines Tauschhandels, dessen Logik wir vom Geld her kennen. Allerdings gibt es nicht sofort etwas fürs Veräußern konsumierter Information zurück. Über Social Sharing schreibe ich später mal mehr. Doch die Idee eines oft bedienten Informationskapitalismus greift für mich nicht, weil die Zinsen aus Informationen Wissen sind, das ich allerdings selbst arrangiere bzw. kompostiere. Teilen ist hier nicht Sinnzweck der Vermehrung sondern nur eine Option.

Wichtig ist mir aber: Offenbar reichen mir die Newsempfehlungen meiner Freunde und Kontakte in sozialen Netzwerken. Sie werden von mir 1.) mehr wertgeschätzt und 2.) erscheinen sie ausreichend, um mein Kompostwerk zu befüttern. Drittens wirkt ein gutes Netzwerk wir ein Bescchleuniger. Stichwort “The News Will Find ME”.

Ich habe festgetellt, dass ich echte Neuigkeiten, wie die Neuigkeit über das Einstellen des Google Readers priorisiere und nicht erst meinen ungelesenen Content im Google Reader abbaue, bevor ich mich dem Newsflash hingebe. Wenn der Papst zurücktritt, blätterte ich früher in Zeitungen auch nicht erst zum regionalen Teil und lese dort alles sorfältig zu Ende. Titelseiten liefern das Snippet. Wenn ich beim Schreiben und Sinnieren mehr Informationen benötige, recherchiere ich professionell. Ich kenne meine Dealer und wenn die für den Moment blank sind und nicht liefern, suche ich mir andere. Auch außerhalb von Sozialen Netzwerken. Dabei hilft mir Google immer noch.

Impact Leistungsschutzrecht

Ist schon jemand auf die Idee gekommen, die Einstellung des Google Readers mit dem Leistungsschutzrecht zusammen zu bringen?

Auch wenn das Gesetz als solches ein Dilemma ist und wir uns in Deutschland nicht zu ernst nehmen sollten, weil wir annehmen, ein nationales Gesetz bringe neuerdings Google Produkte ans Scheitern. So wäre zumindest mit der Einstellung des Produkts die Diskussion an dieser Stelle zu Ende. Wenn http://www.derwesten.de oder ein andere Online-News-Angebot mir seinen RSS Feed zum Einpflegen bei Google überlässt und damit den ganzen Artikel übergibt, könnte man ins Grübeln kommen, die gesamte Diskussion betreffend.

Wenn die RSS Feeds und angebotenen Widgets von Zeitungsverlagen für Fremdseiten nicht bald verschwinden, weiß ich gar nicht so recht, was ich von der Sache halten soll.

Wie geht es ohne den Google Reader weiter?

Wem es also nicht um die übersichtliche Verwaltung seines Stoffes geht, sondern um die Tatsache, sich in die Badewanne zu legen, also im Newsstream bevorzugter Quellen zu schwimmen, wählt eine Alternative, wie z.B. Feedly. Den gibt es auch für iOS, Android und sogar für den Kindle. Und schon nach einigen Minuten mag man die Oberfläche und entdeckt ein paar neue Möglichkeiten, seine Tütchen zu verteilen.

Eben bei Feedly erspäht

Google announced today that they will be shutting down Google Reader. This is something we have been expecting for some time: We have been working on a project called Normandy which is a feedly clone of the Google Reader API – running on Google App Engine. When Google Reader shuts down, feedly will seamlessly transition to the Normandy back end. So if you are a Google Reader user and using feedly, you are covered: the transition will be seamless.

Den ganzen Blogpost mit allen Tipps lesen …

Feedly wird, neben Flipboard und anderen als Alternative genannt. Warum eigentlich nicht auch Google Currents? Hier haben Pubilsher die Möglichkeit mittels RSS Ihr Angebot direkt abzuliefern und andere müssen sich gar nicht erst mit dem Sammeln herumschlagen. Auch dieses Blog findet man in Currents bereits seit dem ersten Tag. Wer mein neues Blog Layout nicht mag, aber auf meine Blogposts nicht verzichten will, sucht einfach mal in der Currents App nach praxis2null, die leider kein Webfrontend bietet. Aber Ihr schaut ja eh nur im Zug mal rein. Schönes Wochenende.

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Frank Stratmann

... ist seit 2003 Projektentwickler für digitale Kommunikationskultur und virtuelle Beziehungsnetzwerke in der Gesundheitswirtschaft. Kurz Community Manager Healthcare für Gesundheitsnetzwerke, Ambulatorien, Medizinische Versorgungszentren, Klinik und Krankenhaus. Seit 2013 ist Frank Stratmann als Leiter Vertrieb Region West der Sana Kliniken AG. für die strategisches Marketingaufgabe eines an Werten ausgerichtetes Einweiserbeziehungsmanagements verantwortlich.