Zwei-Klassen-Medizin ist keine Bahnfahrt

Zwei-Klassen-Medizin nach Dr. Klaus Reinhard

Zur Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland hat sich Dr. Klaus Reinhardt, Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe heute Morgen eingelassen.

Medizinisch würden alle Patienten gleich behandelt. Egal, ob privat oder gesetzlich versichert. Es gäbe nur einen Komfortunterschied. Um das zu verdeutlichen bedient er sich einer Metapher.

Zwei-Klassen-Medizin“ ist ein negativ besetztes politisches Schlagwort. Es bezeichnet ein Gesundheitssystem, in dem die Güte der medizinischen Versorgung davon abhängt, ob der Patient gesetzlich („Kassenpatient”) oder privat krankenversichert ist. Quelle: Wikipedia

Es sei doch eher vergleichbar mit einer Bahnfahrt nach Berlin. Der eine steige in die zweite Klasse ein. Der andere in die Erste. Das Transportmittel sei das gleiche, mit allen Sicherheitsaspekten und der Tatsache, dass man gleichzeitig in Berlin auf den selben Bahnsteig aussteige. Nur in der zweiten Klasse säße man etwas schmaler.

Ein Arztbesuch ist wie eine Bahnfahrt.

Metaphern sind im META-Diskurs tabu

Dazu fällt mir nur eine Empfehlung ein, die mir im Buch Internet – Segen oder Fluch aufgefallen ist und außerdem zu der Aufforderung von Gunter Dueck passt, wir sollten mal wieder einen echten Diskurs führen, einen Meta-Diskurs. Aber dazu später mehr.

In dem Buch von Sascha Lobo geht es darum, dass Metaphern jedwede Diskussion erschweren. Mit Blick auf den Diskurs erst recht. Im Kapitel wird das bezugnehmend auf den Diskurs, der sich aus dem Buchtitel ableitet, deklariert. Die Empfehlung Nr. 2 zur Verwendung von Metaphern als Beitrag zu Diskussionsverläufen scheint mir hier doch anwendbar. Wörtlich …

Zur Erklärung von Sachverhalten sind Metaphern erlaubt, für Begründungen aber verboten. Wo man beides nicht voneinander trennen kann, unterlasse man ihre Verwendung.

Ist das angekommen? Geäußert hat sich Dr. Klaus Reinhardt im Rahmen eines Radio-Interviews, das ich der Vollständigkeit hier gern als Link einbaue, damit wir alle wissen, worüber wir hier reden. Ach und dann freue ich mich auf Kommentare zur Sicht der Ärzte auf die Zwei-Klassen-Medizin unten. Vielen Dank.

Tags: , , ,

Trackback von deiner Website.

Frank Stratmann

... ist seit 2003 Projektentwickler für digitale Kommunikationskultur und virtuelle Beziehungsnetzwerke in der Gesundheitswirtschaft. Kurz Community Manager Healthcare für Gesundheitsnetzwerke, Ambulatorien, Medizinische Versorgungszentren, Klinik und Krankenhaus. Seit 2013 ist Frank Stratmann als Leiter Vertrieb Region West der Sana Kliniken AG. für die strategisches Marketingaufgabe eines an Werten ausgerichtetes Einweiserbeziehungsmanagements verantwortlich.
  • praxisHochschule

    Auch wenn ich die Empfehlung, mit Metaphern in Begründungszusammenhängen vorsichtig umzugehen, teile, muss ich das Bild an dieser Stelle doch kurz aufgreifen. Wer schon einmal versucht hat, zu einer begehrten Reisezeit mit dem Zug nach Berlin zu kommen, wird schnell feststellen, dass – während die zweite Klasse längst ausgebucht ist – sich in den Wagen der ersten Klasse immer noch viele komfortable Sitzplätze finden lassen. Und dann kommen wir doch nicht mehr alle gleichzeitig am selben Bahnsteig in Berlin an.

    • praxisHochschule

      oder ins MRT oder zum Rheumatologen oder zum neuen Knie…

    • http://praxis2null.de/ Frank Stratmann

      Jetzt darf ich natürlich auch nicht den Fehler machen, auf die Metapher aufzuspringen. Aber auch die leeren Sitze kosten ja Geld, fällt mir gerade ein. :-)

  • wernerstickler

    Vielleicht der gleiche Bahnsteig, aber die Fahrgäste, die schief (weil zwischen zwei anderen reingezwängt), im Luftzug oder sonstwie unergonomisch sitzen mussten (metaphorisch für: schlechterer Zugang zur optimalen, rechtzeitigen Behandlung), steigen deutlich verspannter aus.

    Somit ist es nebensächlich, ob es der gleiche Bahnsteig ist und die Pointe der Metapher geht nicht auf – was intuitiv wahrnehmbar ist (“hinkt”).